sucumei - Hunzakultur

Ich bin vor einiger Zeit auf dieses ungewöhnliche kleine Volk der Hunza gestoßen, das in einem nur etwa 2 km breiten und 160 km langen Tal hoch im Karakorumgebirge, im Norden des Himalaya, zuhause ist - und zwar über das Buch: Man sollte es nicht für möglich halten von Erwin Barth von Wehrenalp, das er unter dem Titel "Das glücklichste Volk der Welt" beschreibt. Es kennt, wie er sagt, keinen Krieg, auch keine Krankheit und keine Kriminalität.

Dessen Wort für Frieden sollte deshalb unbedingt in das Friedensband am Kopf der Website unserer Friedensspirale aufgenommen werden. In dem genannten Artikel fand ich das begehrte Wort jedoch nicht. Schließlich hat Prof. Tilman Berger, Sohn des Forschers der Burushaski-Sprache Hermann Berger, selbst Spezialist für Slawische Sprachen an der Universität Tübingen, mir weiter geholfen. Vier Wörter nannte er, die mit dem Gedanken von Frieden liiert sind, von denen nur "sucumei" aus der volkseigenen Sprache stamme, die übrigen aus dem Arabischen[1]. Und sucumei, das für friedliches Auskommen im Alltag gebraucht wird, steht wohl für die im Volk der Hunza verankerte friedliche Kultur und Tradition.

Bei von Wehrenalp lese ich über dieses Volk: "Schon in alten Zeiten ist ihnen ihr Ackerboden und ihre Lebensmittelerzeugung wichtiger gewesen als die Kämpfe." Sie sind also ein dem Leben und Lebendigen hingegebenes Volk. Und sie seien den Bewohnern der Nachbarstaaten an "Körperkraft, Geduld und Leistungsfähigkeit" überlegen. Ihre einfache und stressfreie Lebensart, trotz der äußerst schwierigen Verhältnisse in einem zerklüfteten Bergland, das in seinen Spitzen über 7000 m hinausreicht, lässt sie, wie viele neugierige Besucher berichten, ein sehr hohes Alter von über 100 Jahren erreichen. Reine Luft, das saubere Schmelzwasser der Gletscher und die mineral-, vitamin- und nährstoffreichen Früchte und Pflanzen ihres Landes, die zwar zum Leben reichen, dennoch einen kargen Lebensstil abverlangen, sind äußerst gedeihlich. Der Mir/König drückte es einem Forscher gegenüber so aus: Hunza ist "das Land des gerade genug", also ein Land das ein Volk nach Maß und Ziel hervorbringt. Dieses Maßvolle, in der Ordnung der Natur seiend, ist ein Merkmal, das größerer Beachtung wert ist für ein Leben in Frieden miteinander und mit der Natur - und mit sich selbst! Wehrenalp führt den friedlichen, toleranten Lebensstil zurück auf die Stromtalkultur umgeben von der Gebirgswelt der hohen "Götterberge".

Das Geheimnis ihrer Gesundheit sei neben den hochwertigen Pflanzen und Früchten überhaupt das Tschapatti, ein Brot aus mineralreichen Getreidekörnern, handgemahlen und selbst gebacken, ferner die Aprikosen, aus deren Kernen sie das mystische "Öl des Lebens" gewinnen. Diese sind hierzulande als Hunza-Aprikosen bei Bio-Spezialisten bekannt.

Ein solches Volk ist natürlich zum Mythos einer Welt geworden, die am Zuviel und am Falschen, bei der Ernährung wie am gesamten Lebensstil, krankt. Ob nun unser Wissen über das friedliche  Hunzavolk hauptsächlich Mythos oder doch Realität ist, so möchte ich sagen: auch der Mythos, den die "kranke Welt" erzeugt haben mag, zeigt die Sehnsucht der Menschen nach einer natürlichen besseren Lebensweise und einer vernünftigen friedlichen Welt an.

Nun heißt es bei anderen Quellen, dass mittlerweile dieses Volk sich nicht hat schützen können vor dem Virus unserer "zivilisierten" Welt. Und so ist zu lesen:

"Nun ist dieses Tal im Himalaya seit vielen Jahren zugänglich geworden. Zucker, Weißmehl und Konserven stehen nun auch den Hunzas zur Verfügung. Das Volk braucht nicht mehr zu fasten. Seitdem gibt es auch bei den Hunzas die typischen Zivilisationskrankheiten: Übergewicht, Erkältungen, Diabetes, Zahnfäule, Blinddarmentzündungen, Gallenleiden, etc. ... und auch Streit und Kriminalität haben sich seither breit gemacht. Die Hunzas brauchen jetzt nicht nur Ärzte, sondern auch die Polizei." [2] 

Wehrenalp  meint, dieses Bergvolk sei einst ein kriegerisches Volk gewesen, belegt das aber nicht. Er wundert sich nur, wie es zu dieser Toleranz und Friedfertigkeit gekommen ist. Andere Quellen sprechen sehr wohl von Auseinandersetzungen mit durchziehenden Warenhändlern, die das Hunzatal als praktikabelsten Weg nach Peschawar, zwischen Pakistan und Afghanistan, nutzten.

Mich erinnert es an eine der ganz raren, nach tausenden von Jahren übrig gebliebenen matrizentrischen Zivilisationen, in denen einst die Mütter das gesellschaftliche Leben bestimmten und Leben und Überleben Vorrang hatte vor Machtstreben und Ehre. Jedoch, um das zu belegen müssten entsprechende Forschungen angestellt werden.

 

H. Raskob


[1]   

1.  ārám ‘Ruhe’

2.  áman ‘Frieden’, auch in der Verbindung áman-amáan ‘Friede und Sicherheit’

3.  salamat ‘Heil dir’. So Tilman Berger 

 

[2]  

Vgl. www.heilfastenkur.de/tth_Hunger_und_Fasten.shtml