peace - Interkulturell

Peace  (Frieden) im kulturellen Vergleich 

Die einzelnen Wörter für Frieden in diversen Kulturen können relativ kurz und prägnant zusammen gefasst werden. Der Begriff Peace / Frieden, wie er weltweit gebraucht wird, ist dagegen so komplex wie eben die Realität von Frieden, die in alle Dimensionen hineinreicht, in die innere, äußere, gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche, spirituelle, aktuelle, historische etc. Der Umfang kann Bibliotheken füllen.

Unter Peace, diesem allgemein bekannten Begriff, möchte ich hier deshalb lediglich die Facetten, die sich soweit in den einzelnen Begriffen gezeigt haben, im Zusammenhang aufzeigen, vor allem etymologisch, also von der Wortwurzel her. Die Auswahl von Begriffen für Frieden aus nur zehn Kulturkreisen ist zwar sehr gering, doch zeigt sich hierin schon ein Spektrum von Grundbedeutungen. Bei der Auswahl dieser zehn für den Kopf/Header der Website, die zum Teil völlig unbekannt sind, wurden übrigens Kulturen bevorzugt, die ein lang dauerndes Friedenspotential in sich tragen, die zum Teil Krieg und Kriegskultur für lange Zeit gar nicht kannten.

Die Kategorien, die sich soweit für Frieden in den diversen Kulturen gezeigt haben, sind die von:

1 - Ruhe, Harmonie,

2 - Sicherheit, Schutz, 

3 - Wohlergehen, gutes Leben.

 

Sie gehen in den Friedensbegriffen vielfach ineinander über, weisen aber meist eine dieser Bedeutungen als ihre zentrale auf.

1. Frieden als Ruhe und Harmonie - kommt aus der äußeren Ordnung der Dinge.  Wobei meistens auch auf die innere Ruhe und Ordnung hingewiesen wird, wie z.B. beim hindi Shanti oder dem maungarongo der neuseeländischen Waitaha; hier wird auch das aktive Verzeihen angesprochen, das zu Herzensfrieden führt.

Das amani aus dem Afrikanischen beinhaltet sowohl die Ruhe wie auch die Ordnung, vor allem in Beziehung und von daher auch die Verlässlichkeit und Sicherheit (siehe 2. Punkt). Das aram der friedlichen Hunzakultur bedeutet Ruhe. Deren aman ist mit dem Afrikanischen amani verwandt und geht ebenfalls in die Richtung von Sicherheit und Verlässlichkeit. Ihr sucumei (im Header)hat mit Harmonie und dem friedlichen Auskommen miteinander zu tun. Diese Bandbreite erinnert an die Definition von Augustinus (354-430): Frieden als die Ruhe der Ordnung.

Das weithin bekannte griechische Wort Eirene für Frieden, das es in der Konkurrenz mit den Begriffen aus den uralten Kulturen, nicht in den Header geschafft, steht für Ordnung und Ruhe, auch für Wohlstand. Die Göttin Eirene als personifizierter Friede trägt als ihr Wahrzeichen das Füllhorn, Symbol für Fülle und Reichtum. Das kommt der Bedeutung von Wohlstand und Wohlergehen in der dritten Kategorie nahe, was im zweiten Teil des Mottos der Friedensspirale ausgedrückt ist: Wohlergehen für alle. Politisch soll Eirene zunächst (bis um 400 der vorchristlichen Zeit) für die Zwischenzeiten zwischen den Kriegen gegolten haben. Krieg war der Normalzustand, vor allem bei den peleponnesischen Stadtstaaten der Antike. Das hat sich in unseren Tagen gottlob geändert, auch wenn unsere Zivilgesellschaft immer noch die Züge einer Kriegskultur trägt, insofern als die Logik des Friedens immer noch bestimmt ist von der Logik des Krieges. Mittels kriegerischer Eingriffe soll Frieden hergestellt werden. Es gibt viele Anahaltspunkte in die besagte Richtung: Finanzielle Mittel für militärische Zwecke werden schneller genehmigt, von fast allen Parteien, als in sonstigen Ressorts. Staatsgäste werden mit mulitärischen Ehren empfangen u.v.m.

 

2. Sicherheit, Schutz 

Diese Ordnung und Sicherheit, die vielfach mitschwingt bei den unterschiedlichen Wörtern für Frieden, ist speziell ausgeprägt bei den Begriffen von Paco, Pax, Peace u.ä. Das gesicherte Zusammenleben innerhalb der Gruppe wie auch in sicheren Grenzen dem Außen gegenüber ist dabei das Hauptmoment. Die Pax Romana z.B. geht begrifflich darauf zurück. Pax als solches geht auf das lateinische Wort pangere/(Friedens-)Vertrag schließen zurück.

In dieser Kategorie gibt es allerdings sehr interessante Momente, nämlich die von Freiheit und von Freundschaft, wie immer abhängig diese Bedeutungen auch sein mögen vom gesellschaftlichen Bewusstsein und den politischen Realitäten jener Zeit, in der die Worte entstanden. Wir können uns heute an diesen alten Quellen erfreuen und die Realität von weltweiter Freundschaft in Freiheit ins Visier nehmen.

Im Deutschen hängt diese Bedeutung von Freund und frei mit der Grundlage von "pri / nahe, bei" zusammen. Es hat mit Sippe zu tun hat, die eingefriedet ist und zusammen gehört. Wiederum: innen friedlich, Sicherheit und Schutz gewährend, abgesichert gegen Feinde von außen. Und so sagt das Etymologische Wörterbuch von Kluge: "Friede müsste demnach ungefähr das 'Beieinandersein' im Sinne von 'das gegenseitige Behandeln wie innerhalb der Sippe' bedeuten. Das Deutsche Wort Friede war im Althochdeutschen Fridu und soll auch die Konnotation von Versöhnen (Befrieden?) gehabt haben.

 

3. Wohlergehen, gutes Leben.

Im arabischen und hebräischen Salaam und Schalom hat mich diese Bedeutung von Wohlergehen immer besonders fasziniert. Im Hebräisch-Unterricht lernte ich, dass im Alten Testament der Bibel sogar vom Schalom der Schafe die Rede ist. Schalom, bzw. Salaam, ist also ein grundlegender, dem normalen Leben zugeordneter Begriff. In Lexika ist von Unversehrtheit, wohlbehalten sein, Gesundheit, Heil, ganz oder vollständig sein, sicher sein, die Rede, ferner von Glück, freundlich miteinander, im Frieden sein. Damit verbunden auch: dem zustimmen, sich diesen Zielen verschreiben. Dass es so wohl bei den Juden wie bei den Arabern ein äußerst wichtiger Begriff ist, lässt sich an der Palette der Bedeutungsinhalte erkennen. Wie zentral Salaam/Schalom in der Kultur dieser Völker ist, zeigt sich auch daran, dass es sich bei beiden als Begrüßungswort eingebürgert hat. Es zeigt allerdings auch, dass damit noch nicht alles gewonnen ist. Die heftigsten Kämpfe und Streitigkeiten finden unter den beiden semitischen Bruder-Völkern statt, und ein Ende ist kaum in Sicht. Auch Jerusalem als Stadt des Friedens ist eher der größte Zankapfel. Die Berufung auf ihren Gott und seine Verheißungen nützen in dem Falle und in den meisten Fällen, in denen Religion ins Spiel kommt, nichts. Im Gegenteil, ihr jeweiliger Gott wird unbewusst oder auch bewusst dazu missbraucht, um eigene politische Interessen durchzusetzen. Auch das ist eine komplexe Geschichte, die voll von Menschlichem und Allzumenschlichem ist.

Der Friede mit Gott oder den Göttern ist in vielen Kulturen mit dem jeweiligen Friedensbegriff assoziiert. Bei den Römern z.B. gehörte der häusliche Frieden, der zwischenstaatliche und der Friede mit den Göttern zum Gesamtpaket friedliches Leben. Bei den neuseeländischen Waitaha steht ihr rangimarie für Himmelsfrieden. Ihr maungarongo, einer von ihren vier Begriffen für Frieden (aufgenommen in den Header) verweist auf die Göttin des Friedens und ihren großen Platz des Friedens. Ähnlich ist es beim a n der Chinesen: Tien-an-men heißt Platz des Himmlischen Friedens. (Im Juni 1989 bei den um Freiheit und Demokratie ringenden Studentenrevolten war er anfänglich tatsächlich volksfest-ähnlich himmlisch. Die Soldaten verbrüderten sich mit den Studenten und dem Volk - bis das Regime den Soldaten ihre Schießpflicht wieder strengstens angeordnet hat. Da wurde er zum grausamen und blutigen Anti-Schauplatz Himmlischen Friedens.)

Tiefer Friede hat etwas Göttliches. Ob in Beziehungen, in der Natur, an stillen, friedlichen Orten empfinden Menschen oft dieses Eins-Sein mit Gott und der Welt. Die kosmische Ordnung ist erlebbar.

Ich wollte hier von den Wortwurzeln her einen kleinen Überblick über die Bedeutungsschwingungen von Friedensbegriffen verschiedener Kulturen geben. Auch wenn diese Wurzeln selbst für die Fachwissenschaftler schwer dingfest zu machen sind, so ist das Unternehmen für mich als Unkundige in Sachen Etymologie natürlich noch unsicherer. Dennoch werfen die so gefundenen Bedeutungen ein Licht auf die Friedenslandschaft, dessen wir uns in der Regel nicht so bewusst sind. Vor allem, so meine ich, geben sie uns den Impuls, zu unsern Wurzeln, auch zu den Wurzeln der bedeutenden Wörter in unserer Kultur zurückzugehen und sie wirklich ernst zu nehmen. Die individuelle wie kollektive Besinnung darauf, kann uns regenerieren. In den Wurzeln steckt alte Urkraft des Lebens. Folge dem Leben und dem Lebendigen.