maungarongo - Waitaha, Neuseeland

Durch Berichte von Markus A. Schneider, einem Dipl.-Sozialarbeiter aus Bielefeld, der sich u.a. mit Spiritualität indigener Völker befasst, stieß ich auf ein weiteres uraltes Natur-Friedensvolk und zwar in Neuseeland. Wie zu erwarten haben die Waitaha, wie sich dieses Volk nennt, geringe Chancen sich in unserer Welt zu behaupten oder auch nur bekannt zu werden. Sogar ein anderes Naturvolk, die Maori, machen es den Waitaha schwer, sich öffentlich darzustellen oder auch nur ihre Identität als eigenes Volk anerkannt zu bekommen.

Markus Schneider schreibt: "Schon über 1000 Jahre vor den Maori kam das geheimnisvolle Volk der Waitaha nach Neuseeland. Angeblich stammten die Männer und Frauen dieses rätselhaften Volkes aus unterschiedlichen Erdteilen. [HR: Manche sagen, sie seien von den später so genannten Osterinseln gekommen.] Die Waitaha hatten eine Friedenskultur, die weltweit nahezu einzigartig sein dürfte. ...  Wie nicht anders zu erwarten, konnte ein solches Volk nicht lange „in Frieden“ leben. Als die Maori Neuseeland besiedelten, unterwarfen sie die Kultur der Waitaha in kurzer Zeit und assimilierten sie."

Schneider berichtet weiter: "Heute lebende Nachfahren des Friedensvolkes der Waitaha berichten, ihre Ahnen seien vor ca. 2000 Jahren nach Neuseeland gekommen, wo sie bis zum Eintreffen der Maori in Frieden und Harmonie lebten. Dies wird in der herkömmlichen Geschichtsschreibung, von offiziellen Stellen Neuseelands inklusive der Regierung und vor allem von Vertretern der Maori, die als offizielle Ureinwohner Neuseelands gelten, zum Teil heftig bestritten. Obwohl die offizielle Geschichtsschreibung Neuseelands von der Erstbesiedlung des Landes durch die Maori um 1300 n. Chr. ausgeht, gibt es in bestimmten Kreisen immer stärkere Zweifel an diesen Angaben, nicht zuletzt durch Aussagen der Waitaha und Veröffentlichungen über archäologische Funde sowie historische Quellentexte. Als Nachweise für die Kultur der Waitaha sind Felszeichnungen mit Szenen des Alltagslebens und spirituell-rituellen Symbolen bzw. Handlungen zu nennen, welche sich vornehmlich in Felsüberhängen, größtenteils auf der Südinsel Neuseelands, befinden... "

Schneider referiert: Der Umstand, dass die Maori diesem kleinen Volk die Identität streitig machen wollen, hänge mit den völkerrechtlichen Verträgen der Rückerstattung und Wiedergutmachung zusammen. Die Europäer haben in der Tat die Maori, mit ihnen allerdings auch die von ihnen "aufgesaugten" Waitahs, degradiert, ausgebeutet und versucht, sie auszurotten.

Die Waitahas würden allerdings nicht einmal um Wiedergutmachung oder Entschädigung kämpfen. Es ginge ihnen allein um Anerkennung ihrer Identität. Sie möchten das Selbstvertretungsrecht haben, statt bei den Maori unterzugehen. Ferner möchten sie freien Zugang haben zu ihren heiligen Stätten und Symbolen, die vielfach in privater Hand sind. So Markus Schneider. 

Nachdem ich also einiges über die Existenz und Kultur dieses geheimnisvollen, fast versunkenen, einzigartigen Friedensvolkes erfahren hatte, von denen Schneider sagt, dass sie weder Waffen, noch einen Begriff für Krieg in ihrer Sprache haben, wollte ich unbedingt deren Wort für Frieden erfahren, um es in die Zeile im Header aufnehmen zu können.  

Hier nun, was Markus Schneider mit Hilfe des Herausgebers des "Song der Waitaha" herausgefunden hat.

Es gibt drei verschiedene Wörter für Frieden in der Kultur der Waitaha, so wie wichtige Elemente dort regelmäßig im Dreierpack vorkommen: drei Körbe des Wissens u.ä.  Man könnte demnach in dieser Kultur in ihren drei Begriffen für "Friede" drei verschiedene Qualitäten finden: Himmelsfriede, Menschenfriede und Herzensfriede, womit die friedensschaffende, zukunftsgerichtete Kraft (aufgrund des Verzeihens) gemeint sein könne.

Die drei Begriffe für Frieden sind: rangimarie, aiotanga, maungarongo. 

1)  Unter rangimarie kann man Himmelsfrieden verstehen. ("marie": friedlich, ruhig, befriedet.   Rangi Himmel.)

2)  aiotanga kann als menschlicher Friede verstanden werden. ("aio" in  aiotanga heißt ebenfalls: friedlich, ruhig, unerschütterlich, und tangata heißt Mensch(en).)  Mit  a-io sei allerdings das ungeborene höchste Wesen  gemeint. Demnach kann aiotanga, so folgere ich, HR, "Friede zwischen Gott und Mensch" heißen oder: Friede ist, wenn die Menschen mit der göttlichen Ursprungsordnung der Kraft der Liebe und des Einen Geistes übereinstimmen.

 

Weiter der Informand:

3) maungarongo: maunga heißt Berg"; "rongo" verweist auf rongo marae roa, den Gott/die Göttin des Friedens und seinen/ihren großen Platz des Friedens. Diese Gottheit ist das den verschiedenen Völkern der Waitaha gemeinsame geistig-moralische Führerwesen, der "Volksgeist" der Waitaha. Nach der Deutung des Informanden wäre maungarongo aufgrund der Qualität des Verzeihens als Herzensfriede zu verstehen. Unter Frieden finde man in der Sprache der Waitaha maungarongo, unter maungarongo finde man allerdings Hinweise auf Verzeihen, also ein Geschehen, in dem Friede wieder hergestellt wird; maungarongo ist so die  friedensschaffende, zukunftsgerichtete Kraft der Herzen.

Da ich nur ein Wort in die Friedens-Zeile aufnehmen kann, entscheide ich mich für maungarongo: Gott/Göttin des Friedens als geistig-moralisches Führerwesen, oder "Volksgeist". Die zukunftsgerichtete, friedensschaffende Kraft des maungarongo darf gerne die Friedensspirale mit ihrem Sinn für Weltfrieden beflügeln. Die Welt darf großer Platz des Friedens werden, bewacht von der Göttin des Friedens.

 

H. Raskob