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04.04.2015 11:13 Alter: 5 yrs

Rede zum Ostermarsch 2015


Ostermarsch-Rede. 28.3.2015

Dr. Hedwig Raskob, Potsdam-Marquardt. 

 

„Welt ohne Krieg - Wohlergehen für alle“ ist das Motto der Friedensspirale, e.V.,  Potsdam-Marquardt,  eine der vielen Gruppen, der der Frieden in der Welt das Top-Anliegen ist.

Für eine Welt ohne Krieg, des Friedens und der Völkerverständigung

ist das große Thema des diesjährigen Potsdamer Ostermarsches, das Motto für 2015.

 

Potsdam hat eine Aufgabe – für Deutschland, für die Welt.  So wie Deutschland die wesentliche Rolle in den großen schrecklichen Weltkriegen des letzten Jahrhunderts inne hatte, so ist Potsdam heute gefragt für eine Rolle in der großen Wandlung der heutigen Welt:

 hin zum Frieden und zur Völkerverständigung.

Deutschland als Ganzes wird immer wieder von außen angemahnt, eine aktivere, ja führende  Rolle für die Friedenssicherung in der Welt einzunehmen. Diese Aufforderungen sind allerdings noch weitgehend dem alten Geist verpflichtet, der Verteidigung über militärische Gewaltausübung.

 

Potsdam an sich hat auch die Wende zur neuen Zeit noch nicht geschafft. Es ist soweit immer noch das militärische Potsdam. Es hat sich die wesentlichen Institutionen für s  Militär angezogen: Das Militärgeschichtliche Forschungsamt kam nach der Einigung Deutschlands von Freiburg nach Potsdam in die Zeppelinstraße, und das Einsatzkommando der Bundeswehr hat  in Geltow seinen Platz gefunden.

 

Und die Diskussionen um den Wiederaufbau der eher berüchtigten als berühmten Potsdamer Garnisonkirche zeigen auch, dass die alten bösen Geister noch nicht ausgetrieben sind. Neben der Idee vom Turmaufbau mit einst gedachtem internationalem so genannten Versöhnungszentrum  ist jetzt wieder der Originalaufbau im Gespräch (in dem alle Engel im Innenraum militärische Waffenträger sind !). Die treibenden Kräfte für diesen Wiederaufbau waren und sind die alten Militärs und zwar vom westlichen Deutschland.

 

Dennoch, wir stehen deutlich an einer Zeitenwende. So sehr auch die alte Kraft noch ihren Saft aus der Vergangenheit in sich trägt und in die Gegenwart hinein bringen will, so

sehr zeigt sich doch die Morgenröte einer anderen Zeit und eines anderen Denkens.

 

Es ist eher völlig unverständlich und „daneben“, dass unsere halbwegs zivilisierte Welt sich immer noch den Irrsinn und die völlig unvertretbaren Kosten von angeblicher politischer Konfliktlösung mit den barbarischen Mitteln (darf man wohl sagen) von äußerster Gewalt und Unmenschlichkeit erlaubt. Was die Kosten betrifft, so ist mir eine bestimmte Meldung plastisch im Gedächtnis, die deutlich zeigt, was immer noch Sache ist. Was die Ausgaben des Bundes betrifft, so soll die Höhe der Gelder für die Unterstützung direkter Friedensarbeit vergleichbar sein mit den Kosten der Hundehaltung beim Militär !!

Horrende Zahlen für militärische Zwecke überhaupt schwirren da im Raum. Allein 2013 Jahr gab die Bundeswehr für ihre Auslandsmissionen 1,0817 Milliarden Euro zusätzlich aus.“ So ein Bericht der Linken vom 21.5.2014. Da stimme ich denen völlig zu: Für die Milliarden, die für Kriege und Militär ausgegeben werden, könnte man wahrlich solide Entwicklungshilfe leisten.

 

Es gibt andere und effektivere Mittel der Lösung von Problemen, auch bei internationalen Konflikten. Wir wissen doch aus der Geschichte, dass Kriege nichts lösen, sondern zerstören, töten, vergewaltigen -  und dann die Saat für neue Kriege sind. August Bebel hat schon deutlich gesagt, dass jeder Krieg am Ende Not und Elend  für  a l l e  beteiligten Völker bringt, ob Angreifer oder Verteidiger – und jeder Krieg in seinen Falten einen neuen birgt.

 

Eine Sicht auf die Geschlechter in historischer Betrachtung zeigt, dass das männliche Geschlecht eher den Zug und Drang zur Kriegsführung in sich trägt. Frauen haben ihre unverkennbare Rolle von Natur aus als die Nährer und Geber und Bewahrer des Lebens.

Sie mögen zwar auch, ihre Männer unterstützen. Der Film: der Bockerer zeigt wie die Frauen der oberen Schichten, so wie ich es in Erinnerung habe, die Krieger-Gatten unterstützen, und die unteren ihre Männer davon abhalten wollen.

 

Frauen unterstützen ggf. ihre Männer, doch ihre unverkennbare Grundhaltung ist die des Schutzes von Leben. Sie geben ihr Blut für neues Leben. Männer sind anfälliger für s Kriegsgeschehen. Sie finden hierin eine beachtliche Bedeutung, auch wenn sie selbst blutig ausgebeutet werden. Denn sie sind es die ihre Haut zu Markte tragen und in den entsetzlichen realen Kämpfen die Qualen, die Verwundungen und den Tod erleiden. Es sind zwar an erster Stelle Männer, die in den Kriegen bluten, dennoch ist es die männliche Welt, der die Institution Krieg wichtig ist. Es gibt Interpretationen (von feministischer Seite her), die meinen, dass Männer damit sich auf die Höhe der weiblichen Bluterinnen in deren Leben-gebender Bedeutung hieven würden. Wie dem auch sei.

 

Politisch gesehen sind es in unseren Tagen allerdings die politisch Führenden, die die Kriege zu verantworten haben, sie stehen nicht auf den Schlachtfeldern, sondern sitzen meist in der warmen, gemütlichen Stube, sehen zu und dirigieren. Bezüglich des letzten Gazakrieges war zu hören, dass die Big Shots aus Gaza das Ganze aus dem fernen Osten  "begleiteten", also fernab jeglicher Gefahr - aus der sicheren Stube – bzw. vom gemütlichen dicken Teppich aus.

 

Es gibt und es gab Friedenskulturen. Die Bibel hat uns noch Reste einer solchen aufbewahrt!

Beim Propheten  Jeremias gibt es noch einen wunderbaren alten Text, der sich erstaunlich gut erhalten hat und allgemein zugänglich ist, der bezeugt, dass es einmal anders war. Eine Zeit ohne Kriege und ein allgemeines Wohlergehen für alle war möglich und es gab sie. Und die Männer waren einbegriffen. Beim Propheten Jeremias unter dem Titel von Protest gegen die etablierte Macht der Religion heißt es:  "Da antworteten dem Jeremia alle Männer ... und alle Frauen...: 'Was Du auch zu uns redest im Namen des Herrn, wir hören nicht auf Dich, denn seitdem wir aufgehört haben der Himmelskönigin zu opfern und Trankspenden auszugießen leiden wir Mangel an allem und kommen um durch Schwert und Hunger. Nein, ... wir wollen der Himmelskönigin opfern... wie wir und unsre Väter, unsere Könige und Fürsten in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems getan haben.  Da hatten wir Brot genug und waren glücklich ... (Zürcher Bibel, im Kapitel 44, Vers 15 ff)

 

Die Himmelskönigin steht für eine Kultur, in der die Mütter für das Leben, Weiterleben und das Lebensnotwendige sorgen, eine Kultur, in der alle, auch die männliche Welt ihren Platz und ihre Aufgabe findet.

 

Es gab und es gibt andere Möglichkeiten, für ganze Kulturen. So gibt es  die Friedenskultur der Waitaha in Neuseeland. Sie sind von den Osterinseln gekommen,  im 2. christlichen Jahrhundert etwa.  Eins, das mir bei der Beschreibung dieser Kultur besonders aufgefallen ist, das ist die gesellschaftliche Stellung von Frauen und Männern.  Sie sind völlig gleich geachtet.  Sie haben unterschiedliche Aufgaben, je nachdem, was wer am besten kann. So sind die Männer dran, wenn es ums harte Bearbeiten der Erde für Landwirtschaft und Gärten geht. Danach überlassen sie den Frauen das Feld, die das Säen und Pflanzen besorgen. Auch die Kinder werden sehr geachtet und dürfen ihre besonderen Begabungen entfalten und ausleben.

Dort in  Neuseeland haben die Waitaha eine Kultur des friedlichen und kooperativen Miteinander aufgebaut.  Peter Altmann von Berlin hat sie in dem wunderschönen Band  SONG OF WAITAHA, das Vermächtnis einer Friedenskultur in Neuseeland  für uns fest gehalten. Das Buch ist mir so lieb und heilig: ich kann im Prinzip kein Buch lesen ohne Bleistift in der Hand, mit dem ich reichlich unterstreiche und mir Anmerkungen mache. Bei diesem Buch konnte ich das nicht machen. Ich hätte es verschandelt, so kam s  mir vor.  Deshalb habe ich mir schöne silberne und goldene Sternchen und Kringel zum Aufkleben besorgt, mit denen ich die Stellen gekennzeichnet habe, die  mir besonders aufschlussreich erschienen.

 

Leider, sehr leider, haben die Maori, als sie um die tausend Jahre später nach Neuseeland kamen, die friedliche, fruchtbare Kultur der Waitaha weitgehend nieder gemetzelt, sodass sie keine geschlossene sichtbare Kultur mehr darstellen, sondern einzeln und verstreut im Lande „untergehen“. 

 

Rongo Marae Roa, war und ist die Friedensgöttin dieser Kultur der Waitaha, auch väterliche Friedenskraft. Sie ist mir ganz besonders wichtig. Und so ist mir das Bekenntnis zu ihr ein Herzensanliegen: Wir folgen Rongo Marae Roa, der Göttin des Friedens von Waitaha.