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30.03.2013 11:10 Alter: 7 yrs

Zum Ostermarsch 2013


Dr. Hedwig Raskob

Zum Ostermarsch 2013 initiiert von der Friedenskoordination Potsdam und der Sozialen Bewegung Land Brandenburg.

Angesichts der strahlenden Sonne, wenn auch in eisiger Kälte, begrüße ich zuerst die Sonne, die Sonne der Gerechtigkeit, geh’ sie auf in unserer Zeit. Das sind Zeilen aus einem modernen kirchlichen Gesangbuch.

Liebe Freunde des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit.

Ich bin Mitglied und Initiatorin des Vereins Friedensspirale mit Sitz in Marquardt/Potsdam - seit einigen Jahrzehnten schon in der Friedensforschung und Arbeit engagiert. Welt ohne Krieg – Wohlergehen für alle   ist unser  Motto. 

Und: Für eine Welt ohne Krieg, gegen Militarismus und Faschismus ist auch das Motto und Thema heute bei diesem traditionellen Ostermarsch, zu dem Potsdam, wie ich höre, jeweils den Auftakt in Deutschland gibt. Die übrigen Städte und Gemeinden folgen zur genauen Osterzeit in einer Woche.

Der Faschismus, gerade auch der von Hitler und seinen Leuten, hat einen mythisch-mystischen Hintergrund. 

Ich möchte mich in dieser kurzen Ansprache auch auf einen Mythos beziehen, im Grunde auf denselben, den Germanischen Mythos.  Allerdings in seiner natürlichen Form, die mit gesellschaftlicher Selbstachtung zu tun hat.

Mein Ansatz und was ich Ihnen erzähle  stammt aus einer eigenen real erlebten Situation.

Der US-Amerikaner und Jude: Dan Cohen, war vor ein paar Jahren hier in Berlin und hat ein sozio-psychologisches Seminar gehalten. Er war sehr glücklich, als Jude gerade in Berlin einmal diese Arbeit machen zu können, die im Allgemeinen als  Aufstellungsarbeit bekannt ist. Selbst nenne ich sie: Tiefendynamische Positionsarbeit. Einzelne Personen positionieren sich dabei als Akteure aus dem realen Konfliktfeld. 

Nun zu dieser Arbeit am germanischen Mythos. Es war eine sehr komplexe Sache zum Thema: Drittes Reich und die Polizei. Ich nehme hier nur den Teil da heraus, der mich selbst betraf.  

Ich stellte einen Polizisten dar. Ich musste mich da hineinfühlen. Dabei geschah es, dass ich allmählich auf den Boden sank. Der Leiter, Herr Cohen, stellte intuitiv jemanden hinter mich, wohl in dem Gedanken, mich als Hingesunkene zu stützen; diese Person war nun auch in sitzender Form hinter mir.  So konnte ich mich anlehnen. Ich ließ mich ein, ließ mich fallen, lehnte mich an. Ich hatte das Gefühl: ich bin im Schoß von Mutter Germania.

Wie es bekannt ist von dieser Methode, kamen Energien und Gefühle aus der gegebenen Position, im Schutz von Mutter Germania, in mir hoch.  Mir wurde ganz wohl, ich wurde belebt, fühlte mich kraftvoll und gut.

 

Nun kommt der Clou, das Erstaunliche.

Die Aufstellungsarbeit ging weiter: Eine kleine Mannschaft war aufgestellt, die die Nazi-Szene darstellte. 

Nun sollte ich als Polizist dazu kommen und meine gewalttätige unterdrückerische Rolle spielen. 

 

Aber das ging einfach nicht mehr,  nachdem ich,  sozusagen an den Brüsten der Natur, hier im Schoße von Mutter Germania, mich genährt hatte. Ich ging aus der Gruppe heraus, ich musste heraus.  Mit meinen neu gewonnenen Einsichten und Energien passte ich überhaupt nicht mehr in diese Nazi-Szene. Der gute Kern des Deutschseins, den ich jedenfalls als natürliche Kraft in mir spürte, trieb mich weg, weg aus der gewalttätigen Nazi-Ideologie. Es war ganz natürlich, dass ich mich davon distanzierte. Ich war in der Rolle zu meinem natürlich guten, eigenen deutschen Kern gekommen.

 

Nun eine kurze psychologische Deutung:

Wenn wir ein natürliches gesundes  Selbstwertgefühl  besitzen, dann sind wir sozusagen natürlich friedvoll. Wir müssen uns nicht mehr wehren gegen irgendwen. Wir haben nicht die (krankhafte) Angst, dass wir klein und unbedeutend sind und überrollt werden können. „Ich bin ich - und ich darf ich sein“.  Und der Andere darf anders sein, darf ebenfalls sich selbst sein. Und so können wir angstfrei und produktiv miteinander verkehren. Wir können kooperieren an Projekten, großen und kleinen, politischen und sozialen, öffentlichen und privaten etc. 

Auch in größeren und großen Zusammenhängen, in gesellschaftlich großen Einheiten, auch in der Masse, können wir uns selbst sein. Wir entkommen zwar nicht den Zusammenhängen und Beziehungen. Und das ist ja auch gut so. Wir sind soziale Wesen. Alles und alle sind miteinander verbunden. Wir kommen ja auch, wie ich gerne sage,   aus dem selben kosmischen Mutterschoß. Aber wir sind Individuen, individuelle Personen mit dem Reichtum persönlich individueller Begabungen. Diese lassen im Zusammenspiel eine sozial faire, gerechte  und lebensgesunde Gesellschaft entstehen – nach dem Wunsch der hier vertretenen „Sozialen Bewegung des Landes Brandenburg“.

Zum Schluss ein Zitat aus Dr. Frank Baiers Rede am 21. März, jetzt kürzlich  im „Freiland“. Das Zitat wies er Dr. Robert Mueller, dem Ehemaligen Kanzler der Friedensuniversität in Costa Rica zu:

„Die sich von Stunde zu Stunde mehr ver-netzende Menschheit kann nur überleben, wenn … Friedensforschung und Friedenserziehung vom Kindergarten bis zu den politischen Gremien zu einem Hauptthema des praktischen Lebens werden.“  

Ich danke Ihnen allen fürs Zuhören  und wünsche uns und der Welt  Frieden auf  Erden  und das Wohlergehen aller Menschen und der Natur.

 

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